Ende Oktober habe ich Rockstar Games noch für seine guten PC-Umsetzungen gelobt (Bully – Die Ehrenrunde). Keine zwei Monate später muss ich dieses Lob leider revidieren. Rockstar Games hat bislang großartige Umsetzungen abgeliefert, mit Grand Theft Auto 4 allerdings bewiesen, dass sie auch ganz anders können…

Die Verkaufsversion ist fehlerhaft und kaum leistungsoptimiert. Mit manchen Grafikkarten funktioniert es gar nicht (besonders die Modelle von ATI sind hier betroffen) und der Spielstart wird zum Glücksspiel (drei von vier Versuchen enden meist direkt wieder auf dem Desktop). Viel ärgerlicher ist aber, dass das Spiel einem Software unterjubelt, die man gar nicht haben will.

Die Rede ist vom Rockstar Social Club. Dieser Online-Dienst funktioniert nur mit einem kleinen Programm, welches man installieren muss, damit man GTA 4 spielen kann. Dieses nistet sich im Autostart des Systems ein und telefoniert so regelmäßig mit zu Hause. Was das Programm aber sonst macht bzw. wozu es denn überhaupt gut ist, gibt einem Rätsel auf. Besonders, da man zwingend eine Verbindung mit einem Gamertag von den konsoleneigenen Diensten bzw. Games for Windows Live verbinden muss. Letzterer bietet nicht nur die Möglichkeit Erfolge zu sammeln, sondern auch mit Freunden gemeinsam online zu spielen. Grand Theft Auto 4 bringt nämlich erstmals “ab Werk” einen Multiplayer-Modus mit. Warum man den aber kompliziert im Handy von Niko versteckt hat – keine Ahnung!?!

Kann man sich mit all dem arrangieren, dann gelangt man in den Genuss eines guten Actionspiels. Ob die Wahl des Hauptcharakters so gut gelungen ist, muss jeder wohl für sich selber entscheiden. Mir viel die Identifizierung mit Niko Bellic jedenfalls deutlich schwerer als mit seinen Vorgängern. Das liegt auch mit unter an den Aufträgen. Wenn wir da Leute ermorden müssen, ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben, fördert das nun mal mehr die Distanzierung von dem Typen. Aber da muss man durch, wenn man die neue, hübsche Liberty City erkunden will.

Aber nicht nur die Grafik wurde endlich auf ein neues Niveau gebracht, sondern auch die Steuerung. Autos und insbesondere Hubschrauber sind nun deutlich anspruchsvoller zu handhaben. Außerdem unterscheidet sich das Fahrverhalten der Modelle deutlich. Schnelle Sportwagen neigen viel eher zum ausbrechen, Motorräder sind bei hohen Geschwindigkeiten kaum zu steuern. Diesen Änderungen ist es wohl auch geschuldet, dass sich die Fahrzeuge mit einem Xbox 360 Controller deutlich besser unter Kontrolle halten lassen, als mit Tastatur. Dagegen steuert man Niko zu Fuß und insbesondere im Kampf lieber mit der Maus, denn damit lässt sich präziser zielen. Da man aber problemlos zwischen den Eingabegeräten wechseln kann, ist das aber reine Gewöhnung.

Die Missionen sind sehr einfach gestrickt. Meist fährt man von A nach B und wieder nach A, um einen Freund zu transportieren oder ein paar Gegner über den Haufen zu schießen. Und das wird auf Dauer nicht langweilig? Nein, denn Rockstar hat den simplen Missionsaufbau in eine spannende Geschichte gehüllt. Da absolviert man gerne die Aufgaben, nur um zu erfahren, wie es mit Niko Bellic und seinen Freunden/Feinden weitergeht. Außerdem darf man zwischen den Aufgaben allerlei Dinge in Liberty City anstellen. Dazu gehören auch Frezeitaktivitäten mit seinen Freundinnen und Freunden. Ob man nun gepflegt Essen geht, sich altmodisch die Birne zudröhnt oder Unterhaltung im Strip Club sucht, hängt ganz von der eigenen Laune und den Vorlieben der Begleitung ab.

Hat man sich so beliebt gemacht, kann man auf einige Boni zurückgreifen. Roman beispielsweise schickt uns ein kostenloses Taxi, das Date aus dem Internet kann uns via Telefon heilen oder die Gesetzeshüter von der Pelle halten und Little Jacob kommt mit seinem mobilen Waffenladen vorbei, wenn wir einen Ballermann brauchen.

Moment, stand da gerade was von Internet? Ja, GTA 4 bietet nicht nur viele tolle Radiosender und neuerdings auch Fernsehprogramme, sondern auch ein komplettes Internet. Dazu besucht Niko einfach ein Internet-Cafe oder nutzt den Computer im Unterschlupf. Neben E-Mails kann er dort auch Websites besuchen, u. a. die eines Dating Services. Auch sind Zeitungen online abrufbar, so dass man gelegentlich auch was über seine eigenen Taten dort lesen kann. Das Surfen im virtuellen GTA-Internet macht mindestens so viel Spaß wie im echten. Es empfielt sich nicht nur den Links zu folgen, sondern auch mal ein paar Adressen einzutippen. So gelangt man unter der Adresse www.whattheydonotwantyoutoknow.com beispielsweise zu einer Übersichtskarte mit den Fundorten aller Eastereggs, Monsterstunts, Waffen, Autos und Extras.

Man sieht schon, Rockstar Games hat eine unheimliche Detailverliebtheit an den Tag gelegt. Wäre zu wünschen gewesen, dass man die technische Seite nicht so sträflich vernachlässigt hätte…

Fazit: Persönlich sitze ich zwischen den Stühlen. Soll man das Spiel nun wegen seiner technischen Mängel abstrafen oder aufgrund seiner unglaublich detaillierten Spielwelt loben? Ich tendiere zu letzterem, denn wenn das Spiel mal läuft (wie bei mir) dann macht es unwahrscheinlich viel Spaß. Aber zum Spiel des Jahres werde ich es nicht küren, denn dafür sind die technischen Macken und Beschränkungen zu gravierend!