Neues für den Rail Simulator (II)
Letzte Woche bei Saturn sind mir zwei Erweiterungen für den Rail Simulator von Just Trains in die Hände gefallen. Es war jeweils das letzte Exemplar im Regal, weshalb ich nicht lange gezögert habe. Zugegeben, ganz neu sind sie freilich nicht, aber in Anbetracht des eingestellten Supports für den Rail Simulator von offizieller Seite, sehr willkommen.
The Isle of Wight & Class 66 – Official Rail Simulator Expansion
Dieses Addon habe ich einzig und alleine wegen der neuen Strecken auf der englischen Insel gekauft. Die Class 66 habe ich seinerseits ja bereits im Online-Shop erworben und bereits vorgestellt. Es stand auf meiner Einkaufsliste ganz oben und hätte zwischenzeitlich auch über den Online-Shop den Weg auf meine Festplatte gefunden, wäre dieser nicht eingestellt worden. Im folgenden widme ich mich also den beiden neuen Strecken auf der Isle of Wight.
Strecken? Ja, denn eigentlich handelt es sich um zwei separate Bahnlinien, die in Wirklichkeit keine Verbindung miteinander haben. Im Rail Simulator sind diese jedoch verbunden, weil das Programm sonst Probleme hat. Aber darüber kann man hinwegsehen, zumal die Isle of Wight Steam Railway tatsächlich Plänen für eine Erweiterung nach Ryde nachgeht.
Zum Höhepunkt der Eisenbahnzeit auf der Isle of Wight umfasste das Streckennetz über 55 Meilen. Davon sind heute nur noch rund 13 Meilen übrig geblieben, die sich auf zwei Strecken aufteilen. Die Island Line verbindet Ryde mit Shanklin und führte einst weiter bis nach Ventnor. Sie wurde Ende der 60er Jahre elektrifiziert und entging so einer Stilllegung.
Seit diesem Zeitpunkt verkehren dort ehemalige Triebwagen der London Underground. Die aktuell eingesetzten Züge (Class 483) stammten aus dem Jahr 1938 und waren über 50 Jahre in der Metropole im Einsatz. Für den Einsatz auf der Insel mussten sie von der 4ten Schiene auf die 3te Schiene umgerüstet werden. Dabei wurde auch die Inneneinrichtung erneuert und ein Anstrich im NSE-Design aufgetragen. Dieser wurde inzwischen durch eine lustige Dinosaurier-Bemalung ersetzt, die aber bald schon wieder Geschichte sein soll. Neuerdings bekommen die Triebwagen nämlich das alte rote Farbkleid von LT (London Transportation) und damit die ursprüngliche Bemalung.
Jeder Triebwagen der Class 483 besteht aus zwei gekoppelten Antriebswagen. Bei hoher Auslastung der Strecke werden zwei Einheiten gekoppelt und bilden somit einen Zug aus vier Wagen. Aktuell befinden sich noch Triebwagen 002, 004 und 006 bis 009 im Einsatz. 001, 003, 005 und 010 wurden Mitte der 90er Jahre ausrangiert und verschrottet, weil kein Bedarf mehr für sie bestand.
Die 8 Meilen lange Strecke führt vom Schiffsanleger in Ryde (Ryde Pier Head) über die Strandpromenade (Ryde Esplanade) nach Ryde St. Johns Road. Dort befindet sich das Depot und der Betriebssitz. Weiter geht es zum Haltepunkt Smallbrook Junction. Dieser wurde erst in den 90er Jahren in Betrieb genommen und dient einzig und alleine dem Umsteigen zur historischen Dampfeisenbahn. Da es keinen Straßenanschluß gibt, kann dieser auch nur mit dem Zug erreicht werden. Züge halten dort nur an den Betriebstagen der Museumsbahn.
Die nächste Station ist Brading. Dies war mal ein ein geschäftiger Bahnhof, denn dort zweigte bis 1952 eine Nebenbahn nach Bembridge ab. Weiter geht es nach Sandown, wo normalerweise die Zugbegegnungen stattfinden. Bevor wir die heutige Endstation Shanklin erreichen, hält der Zug noch in Lake. Dieser Haltepunkt wurde in den späten 80er Jahren eröffnet.
Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke ist 45 mph. Allerdings kann man die nur an wenigen kurzen Abschnitten tatsächlich erreichen, denn viele Bahnübergänge und Langsamfahrstellen bremsen einen aus. So dauert eine Fahrt von Ryde nach Shanklin durchschnittlich rund 50 Minuten.
Noch gemächlicher geht es auf der historischen Museumsbahn zu. Dort liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 20 mph. Schneller will man aber auch gar nicht fahren, denn sonst kriegt man ja von der herrlichen Landschaft nichts mit. In der 70er Jahren gegründet, fing alles alles mit der 1,5 Meilen langen Strecke von Havenstreet nach Wootton ab. Inzwischen konnte man die Strecke bis Smallbrook Junction verlängern und so Anschluss an die Island Line gewährleisten.
Das meiste Rollmaterial der Isle of Wight Steam Railway war früher tatsächlich auf der Insel im Einsatz. Darunter u. a. die Pull-Push-Einheit Nummer 484. Dabei handelt es sich um zwei verbundene Personenwagen, die über ein Steuerabteil verfügten und somit ein Umspannen der Lok nicht notwendig machten. Sie waren hauptsächlich zwischen Merstone und Ventnor West im Einsatz.
Gezogen werden die Wagen von der Hawthrone Leslie Class 0-4-0ST mit dem Namen ‘Invincible’. Ursprünglich war dies eine von 18 Rangierlok des gleichen Typs, die im Woolwich Arsenal im militärischen Einsatz waren. Nach einem Zwischenstopp im Royal Aircraft Establishment in Farnborough kam diese in private Hände und schließlich auf die Insel. Sie war die zweite Lokomotive des Vereins nach W24 ‘Calbourne’. Als diese in den 70er Jahren überholt werden musste, war ‘Invincible’ lange Zeit die einzige betriebsfähige Lok des Vereins.
Außerdem wurde eine detailliertere Version des 5-Planken-Wagen in Bemalung der SR gebaut. Das Vorbild steht in Havenstreet und wird gelegentlich auch für Fototermine auf die Strecke geschickt.
Beide Strecken sind mit viel Liebe zum Detail nachgebaut und kommen sehr nahe an das Vorbild heran. Alleine schon wegen dem Endbahnhof über dem Atlantik und der Fahrt über das Pier ist das ein einmaliges Erlebnis! Gleiches gilt natürlich auch für das Rollmaterial: der Triebwagen, die Dampflok und die Wagen sind schön modelliert und entsprechen dem originalen Vorbild. Auch wenn 13 Meilen nach nicht viel klingen mag, 29,99 € dagegen nach einer Menge Schotter – das Geld ist gut angelegt! Und schließlich bekommt man ja auch noch die Class 66 mit zahlreichen Szenarios für die Standard-Strecken des Rail Simulators!
Voyager
19,99 € für einen neuen Zug? Zuviel mag man denken. Der Voyager ist aber nicht nur eine Lok, sondern ein ganzer Verband (insgesamt vier unterschiedliche Modelle je Baureihe). Außerdem bekommt man ja nicht nur den Voyager (Class 220) sondern auch den Super Voyager (Class 221). Letztere ist mit Neigetechnik ausgerüstet und in der Regel einen Wagen länger. Allerdings dient die Neigetechnik nicht wie bei uns für höhere Geschwindigkeiten im Kurven, sondern lediglich für einen höheren Komfort der Fahrgäste. Dummerweise lässt der Rail Simulator aber eine Simulation dieser nicht zu. Somit neigt sich der Zug in Kurven auch nicht zur Seite…
Der Voyager wurde im Auftrag von Virgin Trains als Ersatz für die altersschwachen Intercity 125 (HST) in Auftrag gegeben. Inzwischen wird fast die ganze Flotte von Arriva unter dem Cross Country Label betrieben. Neben den klassischen VT-Anstrich bekommt man die beiden Zugverbände noch in den Farben von Cross Country und in einer Übergangsversion (VT-Anstrich mit Cross Country Logo). Neben diesen realen Umsetzungen hat Hersteller RailWaves auch noch zwei Fantasiebemalungen (Deutsche Bahn und American Yoyager) beigelegt.
Passend dazu gibt es für alle Standard-Strecken plus Cajon Pass Szenarios. Allerdings sind lediglich die für die Strecke Oxford – Paddington realistisch. Folglich bin ich bislang auch nur dort mit dem Voyager unterwegs gewesen. Persönlich hätte es mir besser gefallen, wenn man sich auf diese Strecke beschränkt hätte und die Fantasiebemalungen auch in Großbritannien belassen hätte…
| Artikel drucken | Dieser Beitrag wurde von Martin am 12. Juli 2009 um 12:00 veröffentlicht und unter Eisenbahn abgelegt. Du kannst allen Antworten zu diesem Beitrag durch RSS 2.0 folgen. Kommentare und Pings sind momentan deaktiviert. |
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