Das Rollenspiel der belgischen Larian Studios ist bereits vor einigen Wochen erschienen. Zeitgleich mit dem Spiel hat Publisher dtp entertainment einen Patch veröffentlicht. Das ist normalerweise ein schlechtes Zeichen, den damit signalisiert man ja überdeutlich, dass das Produkt in den Regalen zumindest fehlerbehaftet ist. Auch zeigt die Erfahrung, dass so ein Release-Day-Patch meist mit der heißen Nadel gestrickt ist und bei weitem nicht alle Probleme beseitigt.

Divinity II: Ego Draconis bestätigt dies leider. Das Spiel ist auch mit Patch 1.01 alles andere als fehlerfrei. Besonders ärgerlich sind Bugs in den Quests. Einer davon hat auch bei mir zugeschlagen und verhindert konsequent den Abschluss einer relevanten Aufgabe. Damit ist mir ein weiterspielen unmöglich, was ziemlich ärgerlich ist. Besonders, weil der Bug so offensichtlich ist und jedem Betatester sofort ins Auge springen hätte müssen. Das lässt freilich nur den Rückschluss zu, dass die Tester bei Larian entweder blind sind oder aber der Hersteller einfach die Hinweise im Stress vor dem Release darauf ignoriert hat. So oder so, der leidtragendende ist der Spieler (Kunde).

Inzwischen hat der Hersteller zwar den Fehler als solchen zur Kenntnis genommen, aber anstatt schnell einen Hotfix dafür zu veröffentlichen, um die Kunden nicht weiter zu verärgern, verweist man auf Patch 1.02 der bereits in der Arbeit sei. Einen Termin dafür wollte man nicht nennen und ich hatte keine Lust wochenlang darauf zu warten, das Spiel zu Ende spielen zu dürfen. Deshalb habe ich mein Exemplar von Divinity II zwischenzeitlich zurückgegeben. Etwa gleichzeitig mit meiner Rückgabe meldete die PR-Abteilung von Publisher dtp entertainment, dass das Spiel überall ausverkauft sei und man bereits nachproduzieren müsse…

Der Patch 1.02 wurde nun am vergangenen Freitag veröffentlicht und ist mit 760 MB nicht gerade klein ausgefallen (Download-Link). Für mich kommt er allerdings zu spät. Daher beziehen sich meine nachfolgenden Ausführungen auf Version 1.01.

Das Spiel

Unser Held in Divinity II: Ego Draconis beginnt seine Laufbahn als junger Drachentöter, der kurz vor seiner Weihe steht. Wie der Titel der Spiels aber schon vermuten lässt, werden wir aber die Seiten wechseln und selbst zum Drachen werden. Nun, als mächtiger Drache durch die Luft zu gleiten und seine Gegner im eigenen Atem knusprig zu braten, klingt ziemlich spaßig. Anderseits besteht natürlich die Gefahr, dass da das Balancing aus dem Ruder läuft. So gibt es einige Einschränkungen. In Drachenform können wir nicht beliebig hoch fliegen und unser Atem reicht nicht bis zum Boden. Somit sind wir gezwungen manche Stellen zu erklettern und Goblins & Co. auf die altmodische Art zu verkloppen. Einerseits ist das gut so. Anderseits wirken diese Sperren doch sehr künstlich und nehmen etwas von der Atmosphäre.

Im Trümmertal und auch auf der Wächterinsel sind wir zunächst zu Fuß unterwegs. Es gilt viele Nebenaufgaben zu erfüllen, die rollenspieltypisch von der Ungeziefervernichtung über Botengänge bis hin zum Angriff auf ein Räuberlager reichen. Dabei gibt es meist mehrere Möglichkeiten, die Aufgabe zum Abschluss zu bringen. Manchmal wird man auch gefordert und muss ein Rätsel lösen. Einige Aufträge erfordern auch, dass man andere zuvor erfolgreich auf eine bestimmte Weise abgeschlossen hat. Es gibt also immer was zu tun für unseren Helden bzw. unsere Heldin, denn in Divinity II dürfen wir unseren Charakter selbst erstellen. Die Auswahl beschränkt sich aber auf Geschlecht und einige rudimentäre Merkmale. Von einem umfangreichen Editor, wie in Mass Effect, ist man meilenweit entfernt. Trotzdem ist das vordefinierten Helden, wie in der Gothic-Serie, vorzuziehen und daher ein Pluspunkt.

Auch beim Charaktersystem gibt es keine Überraschungen. Wir verdienen uns mit Erfahrungspunkten einen Levelaufstieg und dürfen dann unsere Fähigkeiten und Attribute ausbauen. Einzige Ausnahme davon sind unsere Drachenfertigkeiten. Diese steigern wir nur über Bücher, die es zu finden gilt. Feste Klassen gibt es keine. Zwar gliedern sich die Fähigkeiten in fünf Sparten (Totenbeschwörer, Magier, Krieger, Waldläufer und Drachentöter), wir dürfen aber ganz individuell daraus wählen.

Das Spiel basiert auf der Gamebryo-Engine, die z. B. auch Oblivion und Fallout 3 benutzen. Die Grafik ist mittelprächtig. Die Welt ist per Hand gebaut und wirkt stimmig, allerdings sind die Texturen oft sehr verwaschen (besonders schlimm, wenn man als Drache unterwegs ist), die Charaktermodelle detailarm und die Animationen ruckelig. Aber darüber könnte man ja noch hinwegsehen, denn die Optik nimmt bei einem Rollenspiel bei weiten keinen so hohen Stellenwert ein. An der Akustik gibt es dagegen nichts zu meckern. Stimmige Hintergrundmusik, passende Geräuschkulisse und exzellente deutsche Sprecher – da bleiben keine Wünsche offen!

Mein Fazit

Tja, Divinity II: Ego Draconis könnte ein gutes Rollenspiel sein… Leider machen die vielen Bugs das zunichte. Und sowas gehört bestraft: Bitte kaufen Sie dieses Spiel nicht und warten Sie lieber auf Bioware’s Dragon Age!