Die Flagship Studios sind Geschichte. Ihr einziges Werk, Hellgate: London, war nicht wirklich eine Katstrophe nur unfertig. Einige Mitarbeiter von Flagship haben sich unter dem Namen Runic Games zusammengeschlossen. Die meisten von ihnen haben am Action-Rollenspiel Mythos gearbeitet. Einige stammen sogar von Blizzard North und arbeiteten dort am Ur-Vater des Genres. Runic Games hat nun mit Torchlight (Fackelschein) ihr ersten eigenes Spiel veröffentlicht – natürlich ein waschechter Diablo-Klon!

Derzeit gibt es das Spiel nur als Download und auch nur in englischer Sprache. Dafür muss man aber auch nur günstige $19.95 für das Spielvergnügen investieren. Und das ist es allemal wert! Bezogen werden kann das Spiel direkt über dessen Website unter www.torchlightgame.com.

Bevor man in das Abenteuer startet, muss man sich für eine von drei Charakterklassen entscheiden. Der Destroyer (Zerstörer) ist ein waschechter Haudrauf der sich am wohlsten im direkten Nahkampf fühlt. Der Alchemist mischt weniger Tränke (was normalerweise seine Klasse in Rollenspielen tut), sondern kämpft mit mächtigen Zaubern oder beschwört Kreaturen, die im dabei unterstützen. Der Vanquisher (Bezwinger) ist auf den Fernkampf mit Bogen und Donnerbüchsen spezialisiert. Die beiden ersten Charaktere sind männlich, der letzte weiblich. Eine freie Geschlechterwahl gibt es nicht, ebensowenig wie sonstige Anpassungsmöglichkeiten. Aber das ist nicht weiter schlimm, schließlich gab’s das ja in Diablo auch nicht.

Dafür bekommen wir noch einen tierischen Begleiter. Ob wir mit lieber mit Hund oder Katz’ losziehen, ist dabei reine Geschmackssache. Einen Unterschied macht die Wahl nämlich nicht, die Fähigkeiten unseres Freundes bleiben gleich. Fähigkeiten? Ja, denn das Tier unterstützt uns im Kampf und ist auch sonst hilfreich. Es steigt mit unserem Helden auf und lernt dazu. Dabei fällt auf, dass es keine klassenspezifischen Beschränkungen gibt. So kann man auch einem Zauberer ein dickes Breitschwert in die Hand drücken – ob er damit allerdings umgehen kann, sei dahingestellt. Man kann aber freilich die entsprechenden Talente trainieren und so seinen Helden individueller gestalten als es in Diablo möglich war. So ist Torchlight trotz nur drei Charakterklassen vielseitiger als z. B. Sacred 2.

Nach dem Vorspann, der erzählt warum und wieso es den Helden in das Dorf Torchlight verschlägt, dürfen wir selbiges auch gleich erkunden und uns die ersten Aufgaben abholen. Die Geschichte ist ziemlich dünn, die Nebenaufgaben oft sehr banal. Im Prinzip stört das aber nicht weiter, denn schon nach wenigen Minuten in der Mine unterhalb des Dorfes hat es einen gepackt: wir verkloppen Monster im Akkord um an deren Hinterlassenschaften heranzukommen. Schließlich gilt es an immer bessere Waffen und Rüstungen zu gelangen. Dabei vergeht die Zeit dann auch wie im Fluge. Aus dem geplanten Anspielen wurden satte sechs Stunden! Hätte man Magen nicht nach Befüllung verlangt, wären vermutlich daraus noch mehr geworden…

Nun ja, das Prinzip funktioniert also prächtig. Werfen wir mal einen Blick auf die Technik. Optisch kommt das Spiel im gewöhnungsbedürftigen Cellshading-Look daher. Aber das comicartige Aussehen passt irgendwie gut zum Spiel. Dadurch konnte man auch erreichen, dass das Spiel auch auf schon antiquierten PCs flüssig spielbar ist. Es gibt sogar einen Modus speziell für Netbooks. Der funktioniert zwar derzeit noch nicht ganz reibungslos, aber auf daran wird bereits gearbeitet. Akustisch bietet Torchlight auch nur Durchschnittskost. Die Sprecher sind mittelmäßig, haben aber ohnehin nicht viel zu sagen. Die Geräusche gehen in Ordnung, die Musik nimmt man kaum war. Irgendwie wirkt das alles aber stimmig.

Fazit: Torchlight braucht sich hinter den großen Titeln nicht zu verstecken. Es hat mir auf Anhieb viel mehr Spielspaß bereitet, als es Sacred 2. Letzteres verschwand auch nach wenigen Wochen wieder von meiner Festplatte. Torchlight wird definitiv länger dort verweilen dürfen!